Angekommen in der 2000-Watt-Gesellschaft
Höchste Energieeffizienz und Solarstrom vom Dach: Im kürzlich erbauten Werk- und Feuerwehrgebäude Wallisellen wird das neue Energiezeitalter schon heute gelebt – mit durchwegs positiven Erfahrungen.
Im Südwesten der Gemeinde Wallisellen, direkt an der verkehrstechnisch wichtigen Weststrasse gelegen, fällt seit neuem ein rostrotes Gebäude auf. Darin untergebracht sind die Feuerwehr und die Werke Wallisellen, der lokale Stromlieferant.
Das neue Bauwerk hebt sich nicht nur farblich von seiner Umgebung ab. Es ist auch ein leuchtendes Beispiel für ein Gebäude der 2000-Watt-Gesellschaft: Der Neubau zeichnet sich durch hohe Energieeffizienz aus und produziert mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach Solarstrom. Beheizt wird das Gebäude zudem durch eine biogasbetriebene Wärmepumpe.
Auf dem SIA-Effizienzpfad
Die Architektur des Werk- und Feuerwehrgebäudes ist ganz auf seine Funktionalität ausgerichtet und fällt durch klare Formen auf. In den zwei eingeschossigen Gebäudeteilen sind die Werk- und Lagerhallen der Feuerwehr und der Werke Wallisellen untergebracht. Überragt werden diese von einem Büroturm und einem 18 Meter hohen Feuerwehrübungsturm. Der Büroturm ist so gebaut, dass er sich problemlos aufstocken lässt, falls der Bedarf an Bürofläche in Zukunft wachsen sollte.
Das Werk- und Feuerwehrgebäude Wallisellen ist konsequent nach dem SIA-Effizienzpfad Energie gebaut und erfüllt damit die Vorgaben für eine 2000-Watt-Gesellschaft. Dazu mussten die Zielwerte für die gesamte Primärenergie, für die nicht erneuerbare Energie und für die Treibhausgasemissionen eingehalten werden. Das Gebäude erfüllt damit die bundesrätliche Strategie für eine nachhaltige Entwicklung und hat einen Vorbildcharakter für das Bauen der öffentlichen Hand.
Wenig Wärmeverlust
Zentral für ein 2000-Watt-kompatibles Gebäude ist die kompakte, gut gedämmte Aussenhülle. Das Werk- und Feuerwehrgebäude Wallisellen ist als konventioneller Skelettbau aus Beton und Kalksandstein gebaut. Eine Leichtbaufassade im Holzelementbau umschliesst die Primärstruktur. Die Dämmung besteht aus 34 Zentimeter starken Mineralfasermatten, den Abschluss gegen aussen bildet eine Fassadenbekleidung aus Holz.
Der solare Wärmeeintrag ist grösser als der Wärmeverlust durch die dreifach verglasten Fenster. Daraus resultiert ein Heizwärmebedarf (Qh) von lediglich 13.3 kWh/m2. Ausschlaggebend für den tiefen Heizwärmebedarf ist neben der starken Wärmedämmung die kompakte Bauweise, die zu einer tiefen Gebäudehüllenzahl führt und Wärmebrücken vermindert.
Reduktion aufs Notwendige
Nicht nur die Betriebsenergie des Gebäudes sollte nach Wunsch der Bauherrschaft tief ausfallen, sondern auch die graue Energie, die im Gebäude steckt. Erreicht wurde dies unter anderem durch die Leichtbaufassade im Holzelementbau, einer einfachen, der Nutzung entsprechenden Materialwahl sowie dem Verzicht auf schwimmende Unterlagsböden in den Bürogeschossen. Eine Reduktion aufs Notwendige - ohne Komforteinbusse - war hierbei die Maxime.
Nebst den energetischen Zielen bestanden auch zahlreiche materialökologische Forderungen. So zum Beispiel die Verwendung halogenfreier Kunststoffe, Holzwerkstoffe aus nachhaltiger Waldwirtschaft, emissionsarme Farben und Bauchemikalien sowie der Verzicht auf Montage- und Hohlraumschäume. Erwähnenswert ist auch die rote Färbung der Holzfassade: Sie kommt von einer so genannten Roggenmehllasur. Deren altes schwedisches Rezept basiert auf Roggenmehl als Bindemittel, das mit Naturpigmenten und anderen natürlichen Rohstoffen versetzt ist. Die Roggenmehllasur ist frei von giftigen Lösungsmitteln und bildet einen beständigen Holzschutz.
Biogasbetriebene Wärmepumpe
Die Heizwärme bezieht das Werk- und Feuerwehrgebäude von einer Wärmepumpe, die über fünf Sonden Erdwärme nutzt. Die Wärmepumpe wird nicht wie üblich mit Strom angetrieben, sondern mit Biogas, bezogen von lokalen Herstellern. Die Ökobilanz der Wärmepumpe verbessert sich dadurch im Vergleich zu herkömmlichen, strombetriebenen noch einmal deutlich.
Wallisellen hat sich nicht nur der Energieeffizienz, sondern auch der Produktion erneuerbarer Energie verschrieben: Die Werke Wallisellen betreiben auf dem Gebäudedach eine Photovoltaikanlage, bestehend aus 630 Solarmodulen mit einer Gesamtleistung von 113 kW. Der prognostizierte Stromertrag beträgt rund 100'000 kWh pro Jahr, das entspricht dem Durchschnittsverbrauch von 28 Vierpersonenhaushalten.
Unterwegs mit Ökostrom
Die Energierücklaufzeit der Solaranlage auf dem Dach beträgt zwei bis drei Jahre . Das heisst, nach dieser Zeit ist der Energieaufwand für die Solarzellenproduktion erwirtschaftet und die Anlage schreibt aus energetischer Sicht schwarze Zahlen. Die Lebensdauer der Solarmodule gibt der Hersteller mit 30 bis 35 Jahren an. Den auf dem Dach erzeugten Strom verkaufen die Werke Wallisellen an der Ökostrombörse des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich. Bald soll allerdings ein Teil des produzierten Solarstroms für interne Zwecke abgezweigt werden: Am Gebäude soll eine Ladestation für einen Elektro-Smart installiert werden, der die Flotte der Werke Wallisellen komplettiert. Im Werk- und Feuerwehrgebäude beschreitet man dann definitiv den Effizienzpfad einer modernen, zukunftsgerichteten 2000-Watt-Gesellschaft.
Generalplaner CH Architekten AG, Volketswil
Bauingenieur Höltschi & Schurter Dipl. Ing. ETH/SIA AG, Zürich
Elektroingenieur Thomas Lüem Partner AG, Dietikon
HLKS - Ingenieure a hoch n AG, Dübendorf
Bauphysik / Akustik Mühlebach Akustik + Bauphysik, Wiesendangen
Geologie CSD Ingenieure AG
Landschaftsarchitekt Dardelet GmbH, Egg
