Passerelle erfolgreich überquert

An der Swissbau wurden die ersten Diplomanden des Passerellenstudiums MAS Energieingenieur Gebäude gefeiert. Sie machen sich auf, den Fachkräftemangel in der Gebäudetechnikbranche zu mildern. Vier Studierende zeichnete Andrea Weber Marin, Vizedirektorin der Hochschule Luzern - Technik & Architektur für ihre innovativen Abschlussarbeiten aus.

Titelseite der Dokumentation
BFE-Direktor Walter Steinmann und Daniel Brunner an der Passerelle-Diplomfeier.

Im Rahmen des Swissbau Focus wurde der erste - 26 Teilnehmende umfassende - Jahrgang des Weiterbildungsmasters Energieingenieur Gebäude der Hochschule Luzern verabschiedet. Mit rund 150 Gästen stiess die Diplomfeier der frisch gebackenen Energieingenieure auf grosse Resonanz. Walter Steinmann, Direktor des Bundesamtes für Energie (BFE) und damit Mitinitiator des Studienganges, brachte die Mission der Absolventen auf den Punkt: „Es geht darum, dass wir unsere Gebäude intelligenter ausrüsten." An Arbeit fehlt es angesichts des alternden Gebäudeparks nicht. Im Gegenteil: Der notorisch dünn besetzten Gebäudetechnikbranche steht ein wachsendes Aufgabengebiet gegenüber. „Die Schweiz ist reif für den Umbau der Energiewirtschaft", konstatierte Steinmann und betonte die Chancen auf dem internationalen Markt: „Nicht nur in der Schweiz ist Cleantech ein herausragendes Thema."

Überreicht wurden die Diplomurkunden von Prof. Dr. Andrea Weber Marin, Vizedirektorin der Hochschule Luzern - Technik & Architektur, die gleichzeitig als Vertreterin der Hochschulen in den Steuerungsgremien der  Passerelle fungiert. „Sie waren die ersten auf der Passerelle", hob Weber Marin die Pionierrolle der Absolventen hervor. Gleichzeitig unterstrich sie die Qualität des an Quereinsteiger gerichteten Studiums, das sie als „ungewöhnliches Projekt" bezeichnete. Auch Jobst Willers, Präsident der Berufsgruppe Technik und Energie beim SIA, ist begeistert: „Der Erfolg übertrifft unsere Erwartungen: Die Passerelle ist tragfähig." Konzipiert haben den Studiengang insgesamt drei Hochschulen in Kooperation mit den massgebenden Planerverbänden. Dadurch ist laut Weber Marin: „ein innovatives Weiterbildungsprogramm mit grosser Nähe zur Praxis" entstanden, das einen hohen Stellenwert besitzt, wie die auch für künftige Studiengänge zugesagte  Unterstützung von BFE und SIA verdeutlicht. Auf die grundlegende Bedeutung der Passerelle ging auch Adrian Altenburger, Direktionsmitglied des SIA und Mitglied der Geschäftsleitung bei Amstein und Walthert, mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry ein: „Die Zukunft sollte man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen." Damit unterstrich er die Bedeutung einer fachlich breiten, fundierten Ausbildung, die heute das Fundament für zukunftsfähige Gebäude von morgen legen muss.

Vier Masterarbeiten ausgezeichnet

Neben ihrem Masterdiplom erhielten die Verfasser der besten Abschlussarbeiten eine Auszeichnung. Bei der Prämierung der vier Studierenden blickte Andrea Weber Marin zurück und resümierte: „Die Absolventen haben sich in einem neuen Studium, einer neuen Branche, an einer neuen Arbeitsstelle mit neuen Herausforderungen behauptet und sind nun bestens gerüstet für ihre Tätigkeit in der Energie- und Gebäudetechnik."

Dieter Lüthi wurde für seine Masterarbeit im Bereich der ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbetrachtung ausgezeichnet. Dabei analysierte er bestehende Standards und Beurteilungssysteme, um deren über 100 Nachhaltigkeitskriterien zu bestimmen und zusammenzutragen. Darauf aufbauend entwickelte Lüthi einen Fragenkatalog, mit dem Bauherrschaften und Planer einfach und schnell die Nachhaltigkeit ihres Bauvorhabens überprüfen können. In der Praxis wurde das neue Instrument an der Suurstoffi in Rotkreuz erprobt - einer Grossüberbauung mit Raum für 1500 Bewohner und 3000 Arbeitsplätze. Rückblickend lobt Dieter Lüthi die Vielseitigkeit des Passerelle-Studiums: „Ich habe sehr viele Fachgebiete kennen gelernt und somit einen generellen Überblick als Grundlage für künftige konzeptionelle Überlegungen erhalten." Der promovierte Klimaphysiker ist in der Gebäudetechnikbranche angekommen: „Das Studium ist auf branchenfremde Teilnehmer zugeschnitten."

abc
Andrea Weber Marin, Heinrich Manz und Pascal Strässle bei der Diplomübergabe.

Vorbildung nicht entscheidend

Genau wie Lüthi kam Stefan Brücker über einen Stellenwechsel zum Passerelle-Studium. „Die Aussicht, mir schnell ein breites Wissen im Bereich Gebäudetechnik und Gebäudehülle aneignen zu können, hat mich überzeugt", erinnert sich Brücker. Rückblickend ist er froh, die Weiterbildung absolviert zu haben: „Das Studium läuft sehr effizient ab und die Studierenden profitieren von guten Dozenten." Auch wenn er im Studium von seinem bauphysikalischen Hintergrund profitieren konnte, empfiehlt Brücker die Passerelle auch Quereinsteigern ohne Spezialwissen im Bau. In seiner prämierten Masterarbeit untersuchte er die Frage, ob sich sommerliche Wärme für Heizung und Warmwasser in Einfamilienhäusern einlagern lässt. „Saisonale Speicherung in Erdsonden funktioniert für kleine Objekte nicht, da mindestens ein Feld von 16 Einzelsonden nötig ist. Grosse thermische Solaranlagen mit sogenannten Jenni-Speichern dagegen bieten eine in der Praxis erprobte Lösung", fasst Stefan Brücker die Ergebnisse zusammen.

Als Generalist mit Fähigkeiten zur übergeordneten Problemlösung, sieht sich Pascal Strässle nach Abschluss der Passerelle: „In meiner Masterarbeit ging es um das Energiepotenzial des Griesser Areals." Insgesamt 15 Gebäude umfasst das Areal, mit unterschiedlichen Nutzungen, die wie ein Flickenteppich gewachsen sind. Strässle stellt seine ebenfalls ausgezeichnete Abschlussarbeit in einen Zusammenhang: „Meine Analyse betraf die grössten Energieverbraucher, aber auch Produktionsabläufe und die interne Logistik. Folglich ist das Ergebnis eine Gesamtoptimierung, die Energieeinsparungen mit einbezieht." Bei der Arbeit profitierte der Wirtschaftsingenieur von seiner Spezialisierung im Bereich Prozessmanagement. Nach Abschluss der Masterarbeit wechselt er in die produzierende Industrie. Auf die Passerelle ist Strässle zufällig gestossen. Nach einem Info-Abend entschloss er sich zum Studium und damit dem Schritt in die Gebäudewelt.

Bereits vor dem Beginn der Weiterbildung war Patrick Ernst im Gebäudebereich tätig: „Als Architekt hatte ich Kontakt zu Energie- und Gebäudetechnikthemen, ohne mich damit intensiv auseinander zu setzen." Durch eine Online-Umfrage der Hochschule Luzern erfuhr Ernst vom Passerelle-Studium, das er eine „sehr gute Horizonterweiterung für Architekten" nennt. Besonders hervor hebt der frisch diplomierte Absolvent den Austausch unter den Studenten aus unterschiedlichsten Fachbereichen. Auch die alltägliche Arbeit im Planungsbüro brachte wichtige Praxiserfahrung: „Heute sitze ich auf der anderen Seite des Tisches und berate Architekten in Energiefragen." Darum ging es auch in Patrick Ernsts - mit dem Swiss Engineering Award ausgezeichneter - Masterarbeit zur energetischen Gesamtoptimierung der Gebäudehülle. Ernst verglich die Graue Energie mit der Heizenergie im Lebenszyklus eines Gebäudes - mit folgendem Schluss: „Nach einer intelligenten Wahl von  Wärmeerzeugung und Baustoffen, liegt das Optimierungspotential in der Dimensionierung der Dämmstärke."

Duales Studienkonzept bewährt sich

Die Passerelle ist eine Weiterbildung im Bereich Gebäude und Energie für Quereinsteiger. Es bietet branchenfremden Fachleuten mit technisch-naturwissenschaftlichem Hochschulabschluss sowie Architekten den Direkteinstieg in einen Zukunftsmarkt und verkleinert so die Lücke zwischen Nachfrage und Angebot von kompetenten Planern. Das zukünftige Arbeitsfeld der Absolventen reicht von der Heizungs- über die Lüftungsplanung und weitere Disziplinen bis zur Gebäudeautomation. Während klassische Ausbildungen Fachspezialisten für die einzelnen Teilbereiche hervorbringen, beherrscht ein Absolvent des Passerelle-Studiums als Energieingenieur integrale Lösungsansätze, die ihn zu einem Allrounder insbesondere für Energiefragen machen.

Neben der fundierten theoretischen Ausbildung wird grösster Wert auf die Praxis gelegt, was sich im Stundenplan widerspiegelt: Pro Woche drei Tage angestellt in einem Fachbetrieb und zweieinhalb Tage Unterricht an der Hochschule Luzern. Die Kombination bietet den Studierenden gleichermassen Sicherheit wie den Ingenieurunternehmen engagierte Mitarbeiter. Als traditionelle Weiterbildung versteht sich die Passerelle dabei keines Falls. Die Absolventen werden zu kompetenten Ingenieuren ausgebildet. Hohe Anforderungen an Bewerber stellen die Qualität der Ausbildung sicher. Den fachlichen Kern des Studiums bilden die Spezialisierungsmodule Energie, Gebäudehülle, Gebäudetechnik und Prozesse. Mit der erfolgreichen Präsentation einer im Unternehmen erstellten Masterarbeit erwerben die Teilnehmer nach gut einem Jahr den Titel MAS Energieingenieur Gebäude.

 

Für Interessierte

Informationen zu allen Themen rund um die Passerelle, sind auf der Website des Studienganges verfügbar. Weitere Auskünfte erteilt das Weiterbildungszentrum der Hochschule Luzern - Technik & Architektur.

Technikumstrasse 21, 6048 Horw

041 349 34 80

info@passerelle-energieingenieur.ch

www.passerelle-energieingenieur.ch

 

Zurück